Wir wollen nicht "normal". Wir wollen: besser, menschlicher und nachhaltiger.

Wir wollen nicht

Bevor ich im Januar dieses Jahres mit meinem Label online gegangen bin, stand das Jahr 2019 im Zeichen der Recherche.

Ich wollte für mich einen Begriff von Nachhaltigkeit definieren, der sich nicht nur auf die Verwendung biologischer und zertifizierter Rohstoffe beschränkt, sondern zusätzlich die Art zu produzieren und zu konsumieren in den Fokus stellt. Und sie verändert.

Aus diesem Grund habe ich entgegen aller wirtschaftlicher Kalkulation entschieden, nur Kleinauflagen zu produzieren oder wahlweise mit der Produktion erst nach Bestelleingang zu beginnen. Damit nur das hergestellt wird, was ihr von Herzen wollt, und so wenig wie möglich verschwendet wird. Würde ich in großen Auflagen vorproduzieren lassen, würde ich viel günstiger wegkommen und dadurch den Profit steigern können. Aber das würde sich nicht halb so gut anfühlen, wie Kleidung zu schaffen, die von euch mit Sorgfalt ausgesucht und dann voller Vorfreude erwartet wird.

Die Suche nach den passenden Herstellern war lang und mühsam, weil der Textilmarkt so unglaublich intransparent ist. Ich habe viele Mails geschrieben, Termine wahrgenommen, Gespräche geführt. Mir Produktsamples angeschaut und mir die Arbeitsweise sowie die Zertifikate der Produzenten zeigen und erklären lassen.

Auf der Suche nach Diensteistern für Stickereien und für den Druck bin ich im gesamten Rheinland und Ruhrgebiet auf und ab gefahren, habe mich durch Produktionshallen führen lassen und mit Mitarbeiter*innen gesprochen.

Bei einer der ersten Druckereien (aus Köln) hatte ich während des Termins ein richtig gutes Gefühl: Der Geschäftsführer war nett, die Prints sahen gut aus, die Konditionen stimmten. Direkt ein Volltreffer? Leider nein. Denn zum Abschluss unseres Gesprächs versicherte er mir, dass wir nie mit Verzögerung bei der Produktion rechnen müssten, weil er ganz tolle Mitarbeiter*innen habe, die in Hoch-Zeiten mit hoher Auftragsdichte auch sonntags und an Feiertagen zur Arbeit kommen und reinklotzen. Als Gegenleistung stelle er Ihnen ein paar Kisten Bier hin und dann laufe es schon. Damit wollte er wohl kollegiale hands-on-Mentalität demonstrieren, wie cool und easy alles bei ihnen laufe und dass ich mir keine Sorgen um Deadlines machen müsse. Selbst in der Vorweihnachtszeit würden unsere Aufträge pünktlich fertig werden. Mir hingegen ist das Lächeln aus dem Gesicht gefallen. Sonntagsarbeit, unbezahlt, für eine Kiste Bier? Der Kunde ist König. In diesem Fall wurde ich kein Kunde.

Ich habe mich nach zwei weiteren Reinfällen schlussendlich für einen Betrieb in Düsseldorf entschieden. Regional. Mit einem tollen Team. Einer angenehmen Arbeitsatmosphäre. Und absoluter Wow-Druckqualität. Doppelt so teuer, aber im Konzept stimmig. Dort kann ich eure Bestellungen klimaneutral mit der Bahn abholen, vor Ort ein Schwätzchen mit den Jungs halten und hin und wieder auch ein paar Fotos schießen und ihnen bei der Arbeit über die Schulter schauen. Manchmal sind sie etwas chaotisch in der Orga, aber ich weiß, dass sie nicht für eine Kiste Bier malochen müssen, sondern gern dort arbeiten.

Es war auf jeden Fall ein aufregendes Jahr voller Hochs und Tiefs, um am Ende ein Netztwerk von Herstellern, Logistikunternehmen und anderen Dienstleistern um uns herum aufzubauen, die unseren Ansprüchen genügen. Und zu jedem einzelnen gibt es eine eigene Geschichte, die ich hier erzählen könnte.

Jetzt, fast zwei Jahre später, kann ich sagen: Es fühlt sich endlich alles stimmig an. Ich bin meiner Idee von Fair Fashion einen großen Schritt näher gekommen. Es läuft noch nicht alles perfekt. Es gibt noch Luft nach oben. Wir mussten an einigen Stellen auch Kompromisse mit der Realität schließen. Nie sind wir aber von unseren Grundsätzen abgewichen, so dass wir dir heute genau das bieten können, was wir von Anbeginn an wollten: vegane Textilien aus besten, biologischen Rohstoffen, hergestellt in respektvoller Zusammenarbeit und mit Wertschätzung für die Menschen, die daran arbeiten. Und die dabei mit den strengsten Siegeln ausgezeichnet sind, die es international sowohl für die Textilien selbst, als auch für die Hersteller und die gesamte Lieferkette gibt. Und weil all das ein ständiger Prozess ist, verfolge ich bis heute regelmäßig die Nachhaltigkeitsberichte unserer Hersteller sowie die Berichte der Fair Wear Foundation, deren Mitglied sie sind.

Wenn du demnächst also in einen unserer Kuschelpullis schlüpfst oder in eines unserer Shirts mit handgezeichnetem Print, dann kannst du darauf vertrauen, dass in jeder Faser davon das Beste aus allen Welten steckt. Und dazu eine Menge Hingabe und Handarbeit, für die wir jeden Tag aufs Neue von Herzen dankbar sind.


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