Q & A | Folge 2: Versand- und Retourenkosten

Q & A | Folge 2: Versand- und Retourenkosten | Juniper & Moon

Wieso berechnet ihr Versandkosten und Retourkosten? Das machen heutzutage doch nur noch die wenigsten Online-Händler!

Die unverblümte Wahrheit ist: Jeder Händler, der seine Waren versendet, berechnet Versandkosten. Die einen offen, die anderen verdeckt, indem sie diese bereits im Vorfeld in den Verkaufspreis einkalkulieren.

Weshalb so viele Händler sich für die zweite Variante entscheiden und Versandkosten verdeckt in den Verkaufspreis einrechnen? Ein einfacher, psychologischer Trick und Gegenstand vieler Untersuchungen, die immer zum gleichen Ergebnis kommen: Die Kundschaft zahlt lieber 20 Euro für ein Shirt, das „versandkostenfrei“ geliefert wird, als 15 Euro plus 4,99 Euro Versand. Die von Invesp gesammelten Statistiken zeigen zudem, dass 93% der Online-Käufer*innen die Tendenz zeigen, mehr Produkte zu kaufen, wenn die „kostenlose“ Versandoption verfügbar ist.

 

Das kleine 1x1 der Kostenkalkulation

Dabei hat kein Händler etwas zu verschenken. Neben dem Entgelt für den Versanddienstleister müssen dem Kunden bei den Versandkosten auch die internen Kosten für Verpackung und Abwicklung berechnet werden. Konkret sind das folgende Kostenbestandteile:

  • Versandkartonage
  • Füllmaterial
  • Adressaufkleber
  • Rechnung/Lieferschein
  • Klebeband
  • Personalaufwand im Versand (prüfen, verpacken, Belege erzeugen)
  • evtl. Transport zum Versanddienstleister
Hand aufs Herz: Glaubst du immer noch, dass der Händler all diese Kosten allein trägt, nur damit du weniger bezahlen musst? Natürlich nicht. Die Kalkulation des Händlers sieht ungefähr so aus, hier am Beispiel eines kleinen Pakets von bis zu 1 kg:

Kosten

Anteil

Paketdienstleister (DHL)

4,99 €

87,4%

Kartonage (20x20x10)

0,50 €

8,8%

Füllmaterial

0,10 €

1,8%

Klebeband

0,10 €

1,8%

Rechnung (Papier, Druck)

0,02 €

0,4%

Gesamtkosten

5,71 €

100,0%

 

Die so errechneten Gesamtkosten werden verdeckt auf die Verkaufspreise draufgeschlagen. Eigentlich etwas, das man sich selbst denken kann. Und dennoch funktioniert der „Versandkostenfrei“-Trick hervorragend: Er steigert den Umsatz, weil mehr Kund*innen zum Kauf bereit sind, erhöht den durchschnittlichen Bestellwert und reduziert Abbrüche beim Bestellvorgang.

Auch die Übernahme der Retourkosten durch den Handel hat einen ähnlichen Effekt auf die Kaufbereitschaft: Laut ibi Research ist die versandkostenfreie Retoure für 92 % der Verbraucher*innen ein wichtiges Kriterium für den Kauf. Dabei kann man sich auch hier denken, dass Retouren teuer sind: Jede Retourensendung verursacht im Durchschnitt Kosten von fast 20 Euro. Der größte Kostentreiber ist dabei der Transport, aber auch die Identifikation, die Sichtung und der Wertverlust der Artikel verursachen Kosten.

Retouren schaden jedoch nicht nur den Unternehmen, sie schaden auch der Umwelt. Horrorgeschichten über massenhaft vernichtete Rücksendungen stimmen zwar nicht: Laut der Forschungsgruppe werden nur vier Prozent aller Retouren entsorgt. Dennoch wird die ökologische Belastung durch Retouren auf etwa 238.000 Tonnen CO2-Äquivalente geschätzt. Zum Vergleich: Dieselbe Menge CO2 würdest du produzieren, wenn du in einem Jahr jeden Tag 2.200 Mal mit dem Auto von Hamburg nach Moskau fahren würdest.

 

Noch einmal zurück zu der Frage, weshalb wir Versandkosten berechnen – und Retourkosten nicht übernehmen.

Das hat viele Gründe. Zum einen gefällt es mir persönlich nicht, wenn Unternehmen sich einerseits nach außen hin nachhaltig geben, auf der anderen Seite aber mit uralten Marketing-Tricks arbeiten, um die Kundschaft zum Kauf zu verleiten und die Umsätze zu steigern. Wir brauchen solche Tricks nicht, denn wir haben unsere Kalkulation der Versandkosten sehr genau berechnet: Für ein einzelnes T-Shirt mit einem Verkaufspreis von knapp 20 Euro lohnt es sich für uns nicht, die Versandkosten selbst zu tragen oder das Shirt auf 25 Euro umzupreisen, um es „versandkostenfrei“ anbieten zu können. Erst ab einem bestimmten Bestellwert (in unserem Fall ab ca. 90 Euro) geht die Kalkulation so auf, dass beide Seiten davon profitieren. Wir sind ein sehr junges und kleines Unternehmen, wir können im Gegensatz zu großen Playern auf dem Markt nicht über gigantische Verkaufsmengen wirtschaften. Außerdem mögen wir es transparent: Keine versteckten Kosten, keine Marketing-Tricks.

Das Gleiche gilt für die Retouren. Wir beschreiben unsere Produkte so genau wie möglich und stellen zu jedem Artikel eine Größentabelle online, anhand welcher du die richtige Größe für dich bestimmen kannst. Bei den Produktfotos in unserem Shop verzichten wir bewusst auf die Nachbearbeitung mit Fotofiltern, um höchstmögliche Farbtreue zu gewährleisten und somit einen unverfälschten Eindruck vom Aussehen der Textilien sicherzustellen.

Das teure Abwickeln vieler Retouren könnten wir bei unserer Größe weder finanziell noch personell stemmen. Und nicht zuletzt: Wer sich Nachhaltigkeit und ökologische Verantwortung auf die Fahnen schreibt, der sollte auch danach handeln. Aus diesem Grund haben wir uns dazu entschlossen, ausschließlich eine Zielgruppe anzusprechen, die bewusst und aufgeklärt einkauft und somit das Retourenrisiko minimiert.

Aufgrund all dieser selbstgewählten "Bestellhürden" verzeichnen wir weit weniger Bestellungen pro Jahr, als andere Unternehmen. Dafür aber haben wir kaum Retouren. Im Jahr 2020 lag unsere Rücksendequote mit 2 Retouren bei unter 1% (die Durchschittsquote im Textil-Onlinehandel liegt bei 30 - 50%). Das freut uns sehr. Und die Umwelt auch.


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