Never let fear decide your future. Oder: Wie alles begann.

Never let fear decide your future. Oder: Wie alles begann. | Juniper & Moon

Es beginnt im Prinzip schon mit der Schulform und der darauffolgenden Ausbildung. Man entscheidet sich für einen Beruf – und den hat man dann für immer. Eine große Entscheidung, die wir da im zarten Teenageralter zu treffen haben. Und obwohl wir uns das gesamte Leben über verändern und weiterentwickeln, erwarten alle von uns (und wir selbst auch), dass diese alte Entscheidung trotz allem weiterhin zu unserer Persönlichkeit passt. Manchmal funktioniert es ganz gut und man bleibt glücklich damit. Manchmal aber auch nicht.

Ich selbst wollte nach der Schule unendlich gern Kunst und Fotografie studieren. Ließ mir jedoch einreden, dass dies kein richtiger Beruf sei und schon gar nichts, mit dem man seinen Lebensunterhalt bestreiten könne. Bereits zu diesem Zeitpunkt lernte ich das „entweder/oder-Prinzip“ kennen. Ich konnte nicht Künstlerin werden und gleichzeitig meine Miete davon zahlen. Ich musste mich entscheiden – und natürlich lernte ich bei dieser Lektion, dass „die Miete“ immer wichtiger ist, als alles andere.

Um es kurz zu machen: Nach langem Grübeln, was ich stattdessen machen sollte, und dem Prüfen der Möglichkeiten, studierte ich Pädagogik. Für Psychologie wurde damals ein NC von 1,3 gefordert, und den konnte ich nicht vorweisen. Also schrieb ich mich für Pädagogik ein und wählte als Schwerpunkte in Nebenfächern Psychologie und Erwachsenenbildung. Ich lernte viel darüber, wie das Gehirn eines Menschen arbeitet, wie es sich entwickelt und wie es insbesondere im Erwachsenenalter lernt und wieder vergisst. Besonders interessant fand ich den Aspekt, dass es absolut flexibel ist und sich ein Leben lang mit dir verändert: Alte Verbindungen, die nicht mehr gebraucht werden, zerfallen, neue werden aufgebaut. Das war spannend. Und so wurde ich am Ende tatsächlich Diplom-Pädagogin und arbeitete viele Jahre in der Bildungsbranche.

It's time to remember what it's like to feel alive!

Damit könnte meine Geschichte auch schon enden. Sie erlernte einen Beruf und lebte glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende.

Aber du weißt es ja nun besser. Wenn du bis hierhin gelesen hast, dann weißt du, dass ich inzwischen diesem Bereich den Rücken gekehrt habe. Allerdings bedeutet das nicht, dass es eine verlorene Zeit war. Ich habe viel gelernt und so manches davon ist mir auch heute noch nützlich. Aber Fakt ist, dass ich zuletzt mit den Rahmenbedingungen nicht glücklich war. Und mit den Rahmenbedingungen meine ich ein hässliches Büro, zwei flackernde Bildschirme, anspruchslose Tätigkeiten, ein dumpfes Arbeitsklima ohne Anerkennung, nerviges Pendeln in übervollen Zügen zur Arbeit und wieder nach Hause. Jeden Tag zur selben Zeit aufstehen, jeden Tag zur selben Zeit nach Hause kommen. Am Samstag aufräumen, einkaufen, zu Tante Trudes 60. Geburtstag fahren. Am Sonntag endlich ein wenig Me-Time und Energie sammeln, um die kommende Woche durchzustehen. So habe ich zumindest die letzten Jahre für mich empfunden. Die Augenblicke, in denen ich die Zeit und die Inspiration hatte, um meine Zeichensachen hervorzuholen, wurden immer seltener. Ich hatte Jahre gebraucht, um mir alles selbst beizubringen, und nun tat ich mit diesem Wissen und Können gar nichts mehr. Ich übte nicht einmal mehr an kleinen Skizzen. Stattdessen fühlte ich mich dauernd müde und erschöpft.

„Too many of us are not living our dreams because we are living our fears.“
- Les Brown

Also begann ich nachzudenken: Wie wäre es, wenn ich diesen eigentlich gutbezahlten und sicheren Bürojob, der mich aber nur noch auslaugt und langweilt, an den Nagel hängen und mich stattdessen selbständig machen würde? Sollte ich es wagen? Was spricht dafür? Und was dagegen? Und zack, schon war ich wieder in dieser Endlosschleife des nie enden wollenden Argumentesammelns gefangen: Pro und Contra.

Versteh mich nicht falsch: Es ist ein großer Schritt, das eine hinter sich zu lassen und etwas Neues zu beginnen, und dieser Schritt will gut überlegt sein. Gerade wenn es darum geht, sich selbständig zu machen, sollte man dies nicht blauäugig tun und sich gründlich informieren: Bei der IHK, bei einem Steuerberater, bei Bekannten, die diesen Schritt bereits gegangen sind – zapfe alle Quellen an, die du hast. Aber siehe diesen Weg nicht als eine finale Entscheidung an, sondern als das, was es ist: Ein Weg. Nimm dir alles, was dir hilft, auf diesem Weg voranzukommen, und entsorge alles, was dich daran hindert. Denke nicht mehr in Alternativen. Denke in Möglichkeiten. Frage dich nicht: „Was, wenn ich scheitern werde?“ Denn auch das sind nur wieder entweder/oder-Kategorien: Entweder du wirst erfolgreich oder du scheiterst. Und dann ist alles zu Ende. So ein Quatsch! Selbst zu scheitern ist kein Dauerzustand und schon gar nicht etwas Endgültiges. Scheitere schön, scheitere kreativ, scheitere so oft, bis du keine Angst mehr davor hast.

„The beautiful thing about fear is, when you run into it, it runs away.“
- Robin Sharma

Denn eines sollte dir bewusst sein: Auch wenn du dich noch so gründlich auf den neuen Schritt vorbereitest, die Praxis wird dich dennoch immer wieder überraschen und mit Dingen konfrontieren, die du nicht vorausahnen konntest. Das kann schnell zu Situationen führen, in denen man sich hilflos oder wütend fühlt oder als habe man versagt. Aber mal ehrlich: Du kennst doch inzwischen sicher diese schöne Analogie von dem Kleinkind und dem Laufenlernen. Das Kind fällt immer wieder hin, aber es kommt nie auf die Idee zu sagen: „Sorry, Mum, das mit dem Laufen habe ich jetzt ein paar Mal versucht und bin dabei voll gescheitert. Ich hab's echt verkackt. Besser, ich lasse es sein und bleibe lieber in meinem sicheren Kinderwagen. Da kann mir nichts passieren.“

Die Zusammenarbeit mit der ersten Druckerei, die für uns die Shirts veredelte, lief nicht sehr gut. Ich fand eine andere Druckerei. Diese Zusammenarbeit lief noch schlechter. Lieferverzug, schlechte Druckqualität, das volle Programm. Ich stand noch ganz am Anfang, hatte die ersten Bestellungen und schlaflose Nächte, weil nichts funktionierte. Seit 6 Wochen funktionierte es nicht, egal was ich tat! Ich hatte wirklich Angst. Es wäre sicher nicht der schlechteste Zeitpunkt gewesen, um mit diesem „Projekt“ aufzuhören. Ich hätte sagen können: „Ok, ich habe es versucht und es hat nicht funktioniert.“ Aber diese Erklärung gilt eben nur für die entweder/oder-Welt da draußen, von der ich kein Teil mehr sein will. Stattdessen will ich mich hinsetzen und nach zwei missglückten Versuchen einen dritten wagen. Weitermachen, besser werden. Dinge lernen und verstehen. Und ja, Selbständigkeit ist eine Reise, auf der man unendlich viel lernt. Ich lerne jeden Tag Neues über Textilqualitäten, Herstellung, Logistik, Mindestabnahmemengen, Wirtschaftlichkeit, über Menschen. Mein kleines, verschlafenes Gehirn, welches in den letzten Jahren meiner Bürotätigkeit ungenutzt vor sich hin zerbröselte, freut sich jeden Tag über die Mengen neuen Futters, das ich ihm liefere. Und auf diesem anstrengenden, aber wunderbaren und spannenden Weg, auf dem ich so viel lerne – im Guten wie im Schlechten – und die Dinge weiter antreibe, puzzeln sie sich langsam zu einem funktionierendem Ganzen zusammen. Und „plötzlich“ läuft es wieder, die gesamte Maschinerie fängt an sich zu verzahnen und zuverlässig wie ein Uhrwerk zu ticken. Bis zum nächsten Ausfall. Aber vorerst läuft alles.

Who are you when nobody's watching?

Als Kind konnten wir noch alles werden, und das abwechselnd: Erst Astronautin, dann Schauspielerin, irgendwann Tierärztin und dann doch wieder etwas anderes. Wer sagt, dass wir das als Erwachsene nicht mehr können sollen? Natürlich gibt es Einschränkungen: Der formale Bildungsweg schränkt unsere Möglichkeiten ein, einfach mal so heute dies und morgen das zu sein. Das ist nicht immer schlecht und ich freue mich, dass mein Arzt eine fundierte und langjährige Ausbildung erhalten hat, bevor er an mir herumdoktern durfte. Dass er nicht sagen konnte, heute bin ich Astronaut und morgen Internist.

Ich hingegen habe für mich entschieden, dass ich meinen eigenen Weg gehen will, der vom formalen abweicht. Den ich auf herkömmliche Art niemals gehen könnte. Beziehungsweise viele Wege, denn ich habe – wie wir alle – sehr viele Facetten. Ich möchte zeichnen, ich möchte schreiben, ich möchte kreativ sein und die Welt zu einem besseren Ort machen. Ich möchte etwas tun, das sich mit meinen persönlichen Werten deckt, statt mit den werten eines Konzerns oder einer Geschäftsführung, die womöglich absolut gegensätzlich zu meinen sind. Und das kann ich nun alles. Ich kann als freie Autorin arbeiten, mit Juniper & Moon ein eigenes Label großziehen, Designs und Stoffmuster entwerfen und das alles mit Authentizität, Qualität und Nachhaltigkeit verbinden. Ich kann Kooperationen mit wunderbaren neuen Menschen eingehen und unter meinen Kundinnen außergewöhnliche Persönlichkeiten kennenlernen. Ich kann scheitern, ohne mich vor jemandem verantworten zu müssen, außer vor mir selbst. Und wieder von vorn beginnen.

Ich lasse all diese Möglichkeiten gerade fließen, indem ich einerseits zwar Energie hineinstecke, aber auch schaue, wie sich die Dinge entwickeln. Was klappt, was klappt nicht? Wo muss ich nachbessern? Und was hat sich von allein in eine zwar andere, aber schönere Richtung entwickelt, so dass ich es behalten will? Für mich gibt es kein entweder/oder mehr. Mein Ziel ist es, mit Juniper & Moon ein Label zu schaffen, das Liebe zur Kunst und zur Natur ausstrahlt, mit nachhaltigen und wunderschönen Stoffen arbeitet und am Ende seine Geschichte davon erzählt, dass „öko“ trotz allem „stylisch“ sein kann. Ich achte meine Wünsche und meine Träume mehr, als jemals zuvor in meinem Leben. Und ich halte es für die absolut richtige Entscheidung. Believe in your dreams. They were given to you for a reason.


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