Der Schritt in die Selbstständigkeit

Der Schritt in die Selbstständigkeit | Juniper & Moon

Der Weg zur Fair Fashion hatte bei der Gründerin Alice Galon in einem ganz anderen Bereich seinen Ursprung, nämlich bei ihrer Ernährung. Vor vielen Jahren begann sie, sich mit dem Thema Vegetarismus auseinanderzusetzen. Darauf folgte der Schritt, eine vegane Lebensweise zu etablieren, auch wenn die Umsetzung manchmal gar nicht so einfach ist. Mit diesem Lebenswandel rückte auch das Thema vegane Bekleidung in ihren Fokus. Sie achtete verstärkt darauf, dass ihre gekaufte Kleidung keine tierischen Bestandteile enthält, wie z. B. Wolle, Perlmutt oder Seide. 

Im Jahr 2019 rief Alice sodann das Modelabel Juniper & Moon ins Leben. Seit Januar 2020 ist die Gründerin mit einem eigenen Onlineshop am Markt präsent.

           "Dies geschah aus dem Wunsch heraus, Kreativität, die Liebe zu schönen Dingen und ökologische Verantwortung in einem Gesamtkonzept zusammenzubringen. Ich denke, ich bin hiermit auf einem guten Weg, mich mit all meinen Talenten und Herzensdingen selbst zu finden, an ihnen zu wachsen und Positives zu bewirken. Dabei ist speziell meinen zeichnerischen Ideen zum Glück kein Limit
gesetzt“,

so
erklärt Alice ihre Entscheidung, eine veganes Modelabel zu gründen. Nachhaltig, ressourcenschonend, vegan und ethisch: Das sind die vier Säulen der Philosophie von Juniper & Moon. So wird ausschließlich vegane Bekleidung aus 100 %bio-zertifizierten Rohstoffen produziert. Dabei war es ihr für die Wahl der Hersteller wichtig, dass diese ihre Werte teilen.

          "Zudem können wir voller Stolz sagen, dass die für unsere Textilien verwendeten Fasern aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft stammen und zudem alle Lieferanten vom Anbau bis zum fertigen Kleidungsstück GOTS-zertifiziert sind. Damit ist sichergestellt, dass unsere Kleidung hohe Standards im Hinblick auf ökologische, nachhaltige sowie soziale Anforderungen erfüllt.“

Beim Fair Fashion-Label wird nicht nur auf Bio-Qualität der Rohstoffe geachtet, sondern zudem in Kleinauflagen produziert, um Überproduktionen zu vermeiden. Das Ganze passiert im Rahmen ressourcenschonender Produktinsprozesse und zu fairen Löhnen und gesunden Arbeitsbedingungen. Zudem sind die Styles und Schnitte clean und casual, damit sie sich ganz einfach mit anderen Kleidungsstücken kombinieren und somit leicht in jeden Kleiderschrank integrieren lassen.

         "So kann jeder seine Garderobe Stück für Stück durch neue, nachhaltig hergestellte Lieblingsteile ergänzen oder ersetzen.“

Um ihre Werte in das Modelabel zu integrieren, hat die Gründerin etwa ein Jahr vor der Eröffnung des Onlineshops mit den Vorbereitungen begonnen. Dieses Jahr stand für sie im Zeichen von Lernen und Recherche. Dabei stellte sie sich unter anderem die folgenden Fragen:

  • Was genau möchte sie verkaufen? Wie sieht ihre Zielgruppe aus?
  • Welche Vertriebsplattform eignet sich für das Label?
  • Wo gibt es passende Hersteller und Dienstleister?
  • Was muss sie für die Gewerbeanmeldung und bei den Finanzen beachten?
Für die letzten Punkte ist es ihrer Meinung nach von unschätzbarem Wert, einen guten Steuerberater an seiner Seite zu haben, der sich mit Existenzgründung auskennt.



V
O N D E R T H E O R I E  I N D I E P R A X I S


Erst nachdem sie sich grundlegendes Wissen angeeignet und Menschen gefunden hatte, die sie in ihrer Arbeit unterstützen konnten (z.B. Steuerberater und Buchhalter), hat sie den Weg aus der Theorie in die Praxis gewagt. Dennoch hat sie fleißig Fehler gemacht - und aus ihnen gelernt.

         "Ich gaube, man wird niemals all das Wissen parat haben, das man wirklich benötigt, um in allen Lebenslagen souverän zu agieren. Umso wichtiger ist es, die Grundlagen zu beherrschen. So muss man sich am Anfang nicht auch noch mit Basic-Problemen herumschlagen."


So hat die Gründerin im Laufe der Zeit verstanden, wie wichtig persönlicher Kontakt zu all den Schnittstellen ist, mit denen man zusammenarbeitet. Kommunikation per E-Mail ist zwar bequem, aber gerade zu Beginn ist es wichtig, den Betrieb und die Menschen, die dort arbeiten, von Angesicht zu Angesicht kennenzulernen. Das ist zwar aufwendig und nimmt viel Zeit in Anspruch, erspart einem jedoch auf lange Sicht einige Enttäuschunge und unliebsame Überraschungen.

Als
Unternehmerin bekommt Alice häufig die Frage gestellt, ob sie eher ein Kopfmensch sei oder jemand, der auf sein Herz hört. „Ich habe beides, also nutze ich auch beides, ganz nachdem Motto: Folge deinem Herzen, aber nimm deinen Kopf mit. “ Diese Einstellung hat ihr bisher geholfen, in jeder Situation die für sie passende Lösung zu finden. Der Wunsch der Gründung eines Fair Fashion-Labels ist damals ihrem Herzen entsprungen. Bei der Kalkulation der Preise verlässt siesich aber lieber auf ihren Verstand.


D
I E F I N A N Z I E R U N G


Mit der Gründung von Juniper & Moon hatte Alice nicht vor, schnell und aggressiv zu expandieren. Darum war die Höhe ihres Startkapitals überschaubar. Ihr Plan war es, klein anzufangen und nachhaltig zu wachsen. Keine extravaganten Werbekampagnen, keine riesigen Auflagen mit dazugehörigem teuren Lagerplatz. Das Kapital, das sie für die Gründung benötigte, konnte sie überwiegend mit ihren Ersparnissen, sowie mithilfe eines Micro-Kredits stemmen. Dennoch ist sie sich bewusst, dass es noch einige Jahre dauern kann, bis sie ihre Investitionen wieder eingefahren hat. Dabei ist durchschnittlich mit einem Zeitraum von ca. 3 Jahren zu rechnen. In ihrem Sortiment finden sich derzeit Shirts und Sweater. Die Produktpalette wächst jedoch stets weiter.


E
I N B L I C K H I N T E R D I E K U L I S S E N

Um ein Shirt mit einem Print-Motiv oder einen Sweatpullover mit Stickerei herzustellen und im Onlineshop zu präsentieren, sind viele Hände und eine Menge Know-how aus verschiedenen Bereichen nötig. Darum arbeitet Juniper & Moon mit einer Schneiderin, mit Textilherstellern, mit einer Druckerei, mit einem Stickbetrieb, sowie mit Fotografen, Künstlern und Designern zusammen. Dabei achtet Alice darauf, soviel wie möglich regional vor Ort fertigen zu lassen:

        "Das Atelier unserer Schneiderin befindet sich hier in Mülheim, unsere Druckerei ist in Düsseldorf, der Stickbetrieb hat seinen Sitz in Duisburg und viele der Print-Designs entwerfe und zeichne ich in Eigenregie. Unsere Fotografinnen arbeiten von ihrem Wohnort aus, z. B. in Solingen,Greifswald oder auch in Österreich.“
Um den Versand kümmert sich das Label selbst. So kann jeder Artikel vor dem Versand persönlich hinsichtlich seiner Qualität kontrolliert und anschließend individuell von Hand verpackt werden.


       "Mit der Möglichkeit, so viel Zeit und Freude in Kunst und Gestaltung zu investieren, habe ich mir einen kleinen Traum erfüllt.“

Darum gestaltet Alice einige der Print-Designs selbst. Dabei entsteht die grundlegende Zeichnung zunächst mit Bleistift auf Papier. Erst anschließend wird das Bild digitalisiert und mit grafischen Akzenten versehen. In jedem dieser Artworks stecken zwischen 10 und 30 Arbeitsstunden.

Andere Motive hingegen gibt sie bei Künstlern und Designern in Auftrag, die nach ihren groben Vorstellungen die Designs umsetzen. Meistens bereichern die kreativen Köpfe die Motive zusätzlich durch eigene Ideen und machen sie mithilfe ihres einzigartigen Stils zu etwas ganz Besonderem.

Als nächstes kreatives Projektmöchte sich die Modeunternehmerin an Designs für Stoffmusterwagen.

 

 

Quelle: "Produktionsreif - Von der gesponnenen Kollektionsidee zu einem individuellen Produktionsplan"; Anne Kathrin Häfner



 

 







 

 


Hinterlassen Sie einen Kommentar