Mit diesen 4 Tipps erkennst du hochwertige Kleidung schon vor dem Kauf

Mit diesen 4 Tipps erkennst du hochwertige Kleidung schon vor dem Kauf | Juniper & Moon

Ein hoher Preis bedeutet nicht zwingend, dass man damit eine hohe Qualität einkauft. Auf der anderen Seite muss nicht alles, was günstig ist, automatisch billig sein.

Für alle, die nachhaltig einkaufen wollen und auf Kleidung setzen, die lange halten soll, wird das Shoppen somit zur Wissenschaft.

Woran erkenne ich also, ob das Kleidungsstück, das hier im Laden hängt und mich verlockend anlächelt, auch nach der vierten und fünften Wäsche Form und Farbe behalten wird?

Der beste Stoff aus den besten Fasern

Das Material der Kleidung ist die Basis und damit das A und O. Wenn hier gespart wurde, dann helfen auch der beste Schnitt und die gewissenhafteste Nahtführung nicht mehr.

Was die Fasern angeht, so unterscheidet man Naturfasern (Baumwolle, Leinen u.a.), chemische Fasern (Polyester, Elastan u.a.) sowie Mischvarianten (Viskose, Tencel u.a.).

Bei der Mischvariante handelt es sich um Fasern natürlichen Ursprungs, die jedoch chemisch verarbeitet wurden, um bessere Eigenschaften zu erhalten. Sie sind beispielsweise leichter und atmungsaktiver als pure Naturfasern.

Prinzipiell kannst du davon ausgehen, dass je höher der Anteil der chemischen Faser, die im Stoff verarbeitet wurde, desto weniger ging es dem Hersteller um die Qualität. Hier sollten einfach Kosten gespart werden. Ein kleiner Anteil davon kann hingegen die Schwächen von Naturfasern ausgleichen: So kann eine geringe Beimischung von Polyester dafür sorgen, dass die Haltbarkeit von Baumwolle oder Wolle verbessert wird, das Material insgesamt weniger ausleiert und auch weniger knittert.

In unseren Sweatshirts wird beispielsweise zur Bio-Baumwolle ein Polyesteranteil von 15% beigemischt. Es handelt sich dabei um recyceltes Polyester, das aus PET-Flaschen gewonnen wird. Dabei liegt es wie in einem Sandwich zwischen zwei Schichten Bio-Baumwolle. So hast du immer nur kuschelweiche Naturfasern direkt auf deiner Haut.

Besteht ein Kleidungsstück jedoch vorwiegend aus Chemie, z.B. aus Acryl, sollte dich das stutzig machen. Diese Kunstfaser, die sich oftmals in Winterpullovern oder Schals findet, wärmt nicht gut, speichert keine Feuchtigkeit und pilliert zudem schnell. Es bilden sich also kleine Fusselkügelchen auf dem Stoff, insbesondere an Stellen, die häufiger Reibung ausgesetzt sind. 

TIPP #1: Reibe für etwa 10 Sekunden zwei Schichten des Stoffes mit festem Druck aneinander. Bilden sich bereits jetzt kleine Kügelchen, das sogenannte Pilling, handelt es sich um schlechte Qualität.

Guten Stoff bereits vor dem Kauf erkennen

Ein guter Stoff muss nicht zwangsläufig schwer sein, um gut zu sein. Das ist ein Irrglaube. Und auch die Weichheit, die man schon im Geschäft ertasten kann, kann in die Irre führen. Zum Beispiel dann, wenn der Stoff bei der Produktion mit chemischen Weichmachern versehen wurde, um ihn kuschelweich zu machen und das Gefühl guter Qualität vorzutäuschen. Nach der ersten Wäsche, wenn sich diese Weichmacher herausgewaschen haben, ist das Shirt dann in der Regel hart und spröde.

Leider kann man diese Weichmacher mit bloßem Auge nicht erkennen. Es gibt jedoch andere Möglichkeiten, sich schon im Vorfeld von der Qualität des Stoffes zu überzeugen.

Grundsätzlich gilt: Je mehr Fasern verwendet wurden, desto langlebiger wird das Kleidungsstück sein. Dabei ist es, wie bereits gesagt, gar nicht so wichtig, ob der Stoff schwer ist. Es kommt vielmehr auf die Dichte an.

Tipp #2: Halte den Stoff gegen eine Lichtquelle. Scheint nur wenig Licht hindurch, dann wurde bei der Produktion mehr Material verwendet und die einzelnen Garne sitzen dichter nebeneinander. Das ist ein gutes Zeichen.

Tipp #3: Ziehe den Stoff leicht auseinander. Erkennst du große Schlaufen im Gewebe und/oder geht der Stoff danach nicht mehr in seine ursprüngliche Form zurück, dann weißt du, dass du an diesem Stück nicht lange Freude haben wirst.

Schau dir zudem den Fadenlauf im Stoff genau an. Laufen die feinen Maschen gerade? Ja? Supi. Nein? Sie laufen eher diagonal? Dann lass auch hier besser die Finger davon. In diesem Fall wird bereits nach der ersten Wäsche eine schiefe Seitennaht entstehen, die die gesamte Form des Kleidungsstücks verziehen wird.



Links: Unser Shirt-Modell "Lucy" nach der Wäsche, luftgetrocknet. Die Seitennaht ist gerade. Rechts: Eine krumme Seitennaht nach der Wäsche bei einem Shirt eines großen bekannten Labels. Fun Fact: Beide Shirts liegen in der gleichen Preisklasse.

Kleine Details sagen viel über die Qualität

Tatsächlich verraten auch Kleinigkeiten wie Reißverschlüsse und Knöpfe viel über den Gedanken, mit dem das Kleidungsstück hergestellt wurde.

Findet sich beispielsweise ein Ersatzknopf an der Innenseite des Textils, so ist das meistens ein Zeichen dafür, dass hier im Geiste der Nachhaltigkeit produziert wurde. Das Kleidungsstück soll lange halten. Und sollte mal der Knopf abfallen und verloren gehen, dann lässt sich dies schnell mit dem Ersatzknopf reparieren. Das Textil kann man danach wie gewohnt weiter tragen.


Hochwertige Reißverschlüsse "reißen" nicht beim auf- und abziehen. Lassen Sie sich leicht und problemlos öffnen, dann handelt es sich für gewöhnlich um einen hochwertigen Reißverschluss - und diese näht man in der Regel nicht in minderwertige Textilien ein.

Ein letzter Blick sollte schließlich den Nähten gelten - innen wie außen. Sie sollten selbstverständlich sauber, gleichmäßig und glatt aussehen. 

Tipp #4: Ziehe den Stoff an den Nähten leicht auseinander. Hält er oder bilden sich bereits jetzt kleine Risse im Stoff? Kräuselt sich die Naht zudem noch oder wird das Nähgarn deutlich sichtbar, dann wurde hier mit der falschen Fadenspannung genäht. Die Naht wird damit immer unruhig aussehen und das Kleidungsstück schwer zu bügeln sein.

Faire Löhne: Häufig vergessen in der Diskussion um Qualität und Preise

Wie eingangs erwähnt, bedeutet ein hoher Preis nicht immer, dass bei dem Kleidungsstück hochwertig gearbeitet wurde oder die besten Rohstoffe zum Einsatz gekommen sind. Es ist inzwischen sicher kein Geheimnis, dass ein höherer Preis gerade bei bekannten Marken für den Namen selbst steht und die Kosten für das Marketing beinhaltet.

Es gibt im Preiskarussel nach unten hin jedoch Grenzen: Kostet ein Shirt - selbst wenn es die saubersten Nähte der Welt vorweisen kann -  gerade einmal 8 Euro, dann muss man sich fragen, wie die Menschen, die daran gearbeitet haben, ihren Lebensunterhalt davon bestreiten sollen. Und dabei sind nicht nur die Näherinnen in den Fabriken gemeint, sondern alle am Prozess Beteiligten, bis hin zu den Menschen im Lager und in der Logistik. 

Übermäßig günstige Preisen weisen darauf hin, dass irgendwo in der langen Kette der Produktion Menschen stehen, die den Preis, den wir nicht zu zahlen bereit sind, für uns zahlen. Und zwar in Form von Ausbeutung durch Hungerlöhne und schlechte Arbeitsbedingungen. Wie sonst kann man mit 8 Euro die Weberin, die Näherin, den Färber, die Menschen in der Logistik, den Vertriebler, den Einzelhandel und den Hersteller selbst satt kriegen?

Als einzige Möglichkeit fällt mir hier nur die Massenproduktion ein. Ein Shirt in einer Auflage von 100 Stück ist in der Herstellung und damit im Verkaufspreis immer teurer, als ein Shirt der gleichen Qualität, jedoch in einer Auflage von 100.000 Stück. 

Hohe Preise sind also tatsächlich nicht immer ein Merkmal von Qualität. Manchmal bezahlt man hier einfach nur den "guten Namen". Ist der Hersteller jedoch bestrebt, hochwertige Rohstoffe sowie gute Verarbeitung anzubieten und dazu faire Löhne zu zahlen, dann wird er die Preise immer anders kalkulieren müssen, als große Billigketten, die den Markt mit Massenware überschwemmen.

 

 

 

 

 


1 Kommentar


  • Anne

    Toller informativer Artikel!


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